Foto des ersten Telemobiloskops

Das Telemobiloskop

Der Vorläufer des Radars

Dass man Schiffe orten kann, ist heute nicht mehr verwunderlich. Zu Christian Hülsmeyers Zeiten schon: Anfang des 20. Jahrhunderts erfand der Technikliebhaber in Düsseldorf den Vorläufer der heutigen Radarsysteme.

Die Gesetze der Physik – hierfür kann sich Christian Hülsmeyer (geb. 1881 in Eydelstedt/Niedersachsen) schon als junger Mann begeistern. Kurzerhand bricht er seine Lehrerausbildung ab und beginnt in den Siemens-Schuckertwerken in Bremen eine neue Ausbildung.

Er ist fasziniert von den Eigenschaften elektromagnetischer Wellen: Richtet man sie gegen einen metallischen Gegenstand, so wird die Strahlung zum Empfänger zurückgeworfen. Diese Eigenschaft will Hülsmeyer nutzen, um ein Gerät zu bauen, mit dem elektrische Wellen gesendet und wieder empfangen werden können. Hierdurch, so seine Annahme, könnte man die Position von Schiffen und Zügen feststellen.

1902 zieht er nach Düsseldorf zu seinem Bruder Wilhelm, der ein Textilgeschäft hat. Hier will er an seiner Erfindung weiterarbeiten und sie schließlich vermarkten. Einen Geldgeber findet er durch eine Zeitungsanzeige: Heinrich Mannheim, ein Kölner Lederhändler und Investor, glaubt an den Erfolg der Erfindung. Zusammen gründen sie die Telemobiloskop-Gesellschaft Hülsmeyer und Mannheim. Heinrich Mannheim stellt das Startkapital in Höhe von 5.000 Goldmark (heute wären das etwa 26.000 €) zur Verfügung.

Das Telemobiloskop

Am 30. April 1904 erhält Christian Hülsmeyer ein Patent auf sein „Verfahren, um entfernte metallische Gegenstände mittels elektrischer Wellen einem Beobachter zu melden“. Das dazugehörige Gerät nennt er „Telemobiloskop“ (Fernbewegungsanzeiger). Im November desselben Jahres ergänzt er das Gerät um einen Entfernungsmesser. Jetzt können in der Nähe befindliche Objekte nicht nur geortet werden, sondern auch der Abstand zum eigenen Standort lässt sich bestimmen.

Das Experiment

Im Mai 1904 zeigt der Hochfrequenztechniker seine Erfindung erstmalig der Öffentlichkeit. Er baut seine Apparatur an der damaligen Kölner Dombrücke auf und richtet die Antennen auf den Fahrweg der Schiffe. Sobald ein Schiff im Umkreis von 3 km auftaucht, erzeugt das Gerät einen Klingelton – das ist eine Sensation! Wenig später präsentiert Hülsmeyer das Telemobiloskop in Holland vor einem Fachpublikum.

Beendigung der Forschung

Die Berichterstattung reicht bis in die USA, und die Journalisten loben die Erfindung. Trotzdem findet sich kein kommerzieller Nutzer. In der Folge kontaktiert Hülsmeyer Unternehmen des Schiffsbaus, der neuen Funkindustrie und die Kriegsmarine – aber obwohl Schiffszusammenstöße häufig sind, lehnen alle den Einsatz des Telemobiloskops freundlich ab. Die Begründung: Die aktuell verwendeten Dampfpfeifen seien über eine größere Entfernung hin zu hören als die Reichweite des Telemobiloskops. Da alle Bemühungen erfolglos bleiben, lässt Hülsmeyer 1905 von der Weiterentwickung des Gerätes ab. Die Telemobiloskop-Gesellschaft Hülsmeyer und Mannheim wird aufgelöst. Insgesamt investierte der Technikliebhaber rund 25.000 Goldmark (heute ca. 130.000 €) in die Entwicklung, Patentierung und Vermarktung seiner Erfindung.

Schließlich gründet er eine Firma für Kessel- und Apparatebau und beschäftigt sich mit Rostschutzfiltern, Wasserfiltern und anderen für Heißwasser notwendigen Teile. Er heiratet, bekommt sechs Kinder und meldet über 180 weitere Patente im In- und Ausland an, durch die er ein wohlhabender Mann wird.

Technik

Hülsmeyer geht von der Entdeckung Heinrich Hertz‘ aus, dass elektromagnetische Wellen von metallischen Gegenständen reflektiert werden. Dies funktioniert auch bei Nacht oder schlechter Sicht und eignet sich daher für die Schifffahrt. Wenn man messen kann, wie lange es dauert, bis eine ausgesendete Welle wieder beim Empfänger ankommt, kann man die Entfernung des reflektierten Objektes berechnen. Im Gegensatz zur ebenfalls gerade entdeckten Funkentelegraphie, die mit langen Wellen arbeitete, nutzt Hülsmeyer Kurzwellen im Dezimeterbereich. Hülsmeyers Telemobiloskop besteht aus:

  • einem Sender und einem Empfänger, die unmittelbar benachbart voneinander angeordnet sind
  • Funkeninduktor zur Erzeugung der hochfrequenten Wellen
  • Kohärer (Detektor für elektromagnetische Wellen) als Empfangsgerät

Später Ruhm

In den 30er Jahren arbeiten mittlerweile verschiedene Wissenschaftler weltweit an der Entwicklung eines Radar-Systems. Der zweite Weltkrieg zeigt vor allem im Bereich der rechtzeitigen Flugzeugerkennung, wie notwendig diese Erfindung ist. Zu Beginn der 40er Jahre soll der Engländer Robert Watson-Watt für die Erfindung des Radars von Winston Churchill mit der Adelswürde ausgezeichnet werden. Da erinnert sich ein Historiker an Christian Hülsmeyer und veröffentlicht einen Artikel über seine Forschung, was zu Diskussionen bis in die höchsten Regierungskreise führt. Später einigt man sich darauf, dass Robert Watson-Watt nicht der alleinige Erfinder des Radars gewesen ist. In den 50er Jahren erhält Hülsmeyer späte Ehrungen, unter anderem durch Konrad Adenauer. Christian Hülsmeyer stirbt 1957 und ist heute auf dem Düsseldorfer Nordfriedhof begraben.

Das erste Radar der Welt befindet sich heute im Deutschen Museum in München.

(Header: Deutsches Museum München)

Zeichnung aus der Patentanmeldung 105546
Zeichnung aus der Patentanmeldung 105546
Porträt von Christian Hülsmeyer
Christian Hülsmeyer (Foto: privat Familie Hülsmeyer)
Christian Hülsmeyer mit seinem Telemobiloskop
Der Erfinder und sein Telemobiloskop (Foto: Deutsches Museum)

Ort der Erfindung

Grabenstraße 3, 40213 Düsseldorf

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