Eine Schachfigur spiegelt sich

Ausgezeichnet gefälscht: Ein Schmähpreis wird 50

Vom Waschtischmischer bis zur Babyflasche: 2026 wurde der Negativpreis „Plagiarius“ zum 50. Mal an die dreistesten Produktfälschungen und Plagiate „verliehen“.

Ein rundes Jubiläum für einen unrühmlichen Preis: Am 6. Februar 2026 vergab die Aktion Plagiarius e.V. auf der Frankfurter Konsumgütermesse „Ambiente“ zum 50. Mal ihren Schmähpreis. Er geht jährlich an Hersteller und Händler, die besonders dreiste Plagiate und Fälschungen auf den Markt gebracht haben.

Die Plagiarius-Preisträger 2026

Auf den ersten Blick sehen sich Original und Kopie zum Verwechseln ähnlich: Ein Flaschen-Set für Neugeborene der Marke Philips Avent wurde im chinesischen Zhejiang nachgeahmt und über soziale Netzwerke sowie Onlineplattformen in Lateinamerika, Nigeria und Südostasien vertrieben – zu einem Fünftel des Originalpreises. Fotos aus der „Fälscher-Fabrik“ wecken erhebliche Zweifel an Materialqualität und Hygiene, was gerade bei einem Produkt für Babys besonders kritisch ist. Diese Fälschung belegte 2026 Platz 1.

Platz 2 ging an die Fälschung eines Waschtischmischers der Marke AXOR MyEdition von Hansgrohe: Ein chinesisches Fälschernetzwerk kopierte Design und Markennamen. Nach monatelanger Recherche von Hansgrohe und in Zusammenarbeit mit der örtlichen Polizeibehörde in Kaiping wurden drei Hauptverantwortliche des Netzwerks verhaftet und strafrechtlich verfolgt.

Platz 3 belegte ein Plagiat der Stapelliege Klassik der Müller Möbelwerkstätten. Für den Designklassiker von Rolf Heide aus dem Jahr 1966 besitzt das Bockhorner Unternehmen das exklusive Weltrecht für Herstellung und Vertrieb. Die Nachahmung des französischen Versandhändlers La Redoute übernahm sämtliche charakteristischen Gestaltungsmerkmale und kostete nur ein Fünftel des Original-Gestells – und wurde von Kunden als billig gemacht, schlecht verarbeitet und instabil bewertet.

Neu: Sonderpreise gegen Plagiats-Fluten und Fake-Shops

Erstmals vergab die Jury 2026 zwei zusätzliche Sonderpreise. Der Sonderpreis „Plagiats-Tsunami“ ging an unzählige Nachahmungen der Besteck-Sets „KLIKK“ und „KLIKK Pocket“ von Koziol, die über alibaba.com in schier endloser Zahl angeboten werden. Der Betreiber entfernt gemeldete Angebote zwar, aber verhindert Neuauflagen nicht aktiv.

Der Plagiarius-Sonderpreis „Fake-Shop“ prämierte zwei komplett gefälschte Onlineshops, die sich als Shop des Modelabels Germens ausgaben, Kundengeld kassierten und keine Ware lieferten.

Fälschungen weiter auf dem Vormarsch

Das Geschäft mit Plagiaten und Fälschungen boomt weiterhin weltweit: Laut EU-Kommission und Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) stellten die EU-Zoll- und Marktüberwachungsbehörden 2024 rund 112 Millionen gefälschte Produkte im Wert von 3,8 Milliarden Euro sicher. Das ist der zweithöchste je verzeichnete Wert. Der Plagiarius bleibt damit auch nach 50 Jahren ein wichtiges Signal gegen Innovationsklau und für den Schutz geistigen Eigentums.

Bild: vkara – Fotolia.com

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