Nachkriegsdeutschland baute wieder auf, doch die vorhandenen Krane bremsten den Fortschritt aus: Sie waren schwer, teuer und ihr Aufbau zog sich über Tage oder gar Wochen. Das war für den zügigen Wiederaufbau viel zu langsam. Der Baumeister Hans Liebherr wollte das nicht länger hinnehmen.
Was unterscheidet einen Turmkran von einem klassischen Baukran?
Ein Turmkran, fachlich korrekt Turmdrehkran genannt, ist eine Sonderform des Krans, bei der ein drehbarer Ausleger auf einem senkrechten Mast sitzt und so Lasten über große Höhen und Reichweiten bewegt. Krane dieser Bauart gab es bereits, sie mussten jedoch aufwendig vor Ort montiert und fest fundamentiert werden.
Hans Liebherr entwickelte 1949 gemeinsam mit Konstrukteuren, Schlossern und Schmieden im Baden Württembergischen Kirchdorf an der Iller den ersten Turmdrehkran, der sich in wenigen Stunden auf- und wieder abbauen ließ. Unter der Bezeichnung „Fahrbarer Turmdrehkran“ meldete er seine Erfindung beim Deutschen Patentamt an, das ihm am 19. August 1949 die Patenturkunde erteilte. Vom TK 10 wurde zunächst eine Kleinserie mit nur fünf Exemplaren gebaut.
Vom Kleinbetrieb zum Weltmarktführer
Bei der ersten Präsentation auf der Frankfurter Herbstmesse 1949 blieb der erhoffte Erfolg zunächst aus, doch dann kamen die ersten Aufträge. Aus dem im selben Jahr gegründeten Werk in Kirchdorf wurde die Hans Liebherr Maschinenfabrik, heute Teil des internationalen Liebherr-Konzerns. Kirchdorf an der Iller ist noch immer ein wichtiger Produktionsstandort, auch wenn der Hauptsitz inzwischen in Bulle in der Schweiz liegt.
Heute gehören Turmdrehkrane zum festen Bild jeder größeren Baustelle – und damit auch Arbeitsplätze als Kranführerin oder Kranführer in enormen Höhen. Aktuell arbeitet Liebherr zusammen mit dem Konstanzer Unternehmen Formigas an einer teleoperierten Kransteuerung vom Boden aus.
(Headerbild: Nikola Johnny Mirkovic – Unsplash.com)

