Fahrerloser E-Lkw von Einride beliefert Supermarktfiliale

Der fahrerlose Lkw

Kein Fahrer, viele Augen

In Edermünde bei Kassel setzt das schwedische Unternehmen Einride seit September 2026 einen Lkw ganz ohne Fahrerhaus ein, der zwischen einem Warenverteilzentrum und einem Supermarkt pendelt. Ein Beispiel für autonomes Fahren nach SAE Level 4.

Kein Lenkrad, kein Sitz, keine Kabine: Der E-Lkw, der laut Lidl-Pressemitteilung zwischen einem Verteilzentrum und einer Filiale in Hessen pendelt, sieht aus wie ein rollender Container. Ein Fahrzeug ohne Fahrerhaus lässt sich aerodynamischer bauen und bietet mehr Laderaum – Vorteile, die nur entstehen, wenn von Anfang an kein Mensch am Steuer eingeplant ist.

Was bedeutet SAE Level 4?

Autonomes Fahren wird nach der Norm SAE J3016 in sechs Stufen (0 bis 5) eingeteilt. Ab Level 4 übernimmt das System die komplette Fahraufgabe innerhalb eines festgelegten Einsatzbereichs. Nach SAE-Definition spricht man hier von hochautomatisiertem Fahren: Ein Fahrer als Rückfallebene ist nicht mehr nötig. Vollautomatisiertes Fahren im Sinne von „überall und wie ein Mensch“ beginnt erst mit Level 5. Level 4 gilt deshalb immer nur so weit wie der jeweils festgelegte Einsatzbereich reicht – ob 400 Meter wie in Edermünde oder vielleicht künftig für eine Autobahnstrecke. 

Level 4 in Deutschland: Was wird bereits getestet?

Level-4-Genehmigungen des Kraftfahrt-Bundesamts (KBA) gibt es in Deutschland bereits mehrfach – meist als Erprobung und oft mit Sicherheitsfahrer an Bord. So testen ZF Mobility Solutions und Rheinbahn AG Shuttlebusse, Momenta bereitet sich auf Robotaxis in München vor, und Deutsche Bahn und Mobileye setzen im Raum Frankfurt auf Shuttles mit Fahrern als Back-up.

Auch der Einride-Lkw in Edermünde läuft rechtlich im befristeten Testbetrieb: Das KBA hat am 14. August 2026 eine befristete Erprobungsgenehmigung erteilt, die erste Projektphase ist auf vier Monate angelegt und die maximale Geschwindigkeit auf 25 km/h begrenzt. Zwar sitzt niemand im Fahrzeug, doch das KBA verlangt für die Testphase ein Begleitfahrzeug mit Fahrer, das dem Lkw folgt. Ein anderes Unternehmen testet derweil in einem komplexeren Verkehrsraum: MAN experimentiert mit dem Autobahn-Lkw Atlas-L4 für den Einsatz auf deutschen Autobahnen. 

Autonomes Fahren: Wohin geht die Reise?

Während sich autonome Lkw in Deutschland noch auf Fahrten über wenige hundert Meter beschränken, sind fahrerlose Pkw in den USA bereits angekommen: Der Robotaxi-Anbieter Waymo verzeichnet nach eigenen Angaben mehr als 150.000 Fahrten pro Woche vollständig fahrerlos durch Phoenix, San Francisco, Los Angeles und weitere Städte. Auch der Amazon-Ableger Zoox bietet inzwischen ein Robotaxi ohne Lenkrad und Pedale an. In Deutschland und Europa ist ein vergleichbares Angebot für Privatpersonen bislang nicht in Sicht: Hier bleibt es vorerst bei einzelnen, eng begrenzten Level-4-Tests wie mit dem Lkw in Edermünde.

(Headerbild: Einride)

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