Mit der Corona-Pandemie geriet im Frühjahr 2020 die Welt aus den Fugen. Am 11. März 2020 erklärte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) die bis dahin vor allem auf China beschränkte Epidemie zu einer weltweiten Pandemie. Auf der Suche nach Impfstoffen tat sich rasch die Mainzer Firma Biontech hervor, die 2008 vom Ehepaar Uğur Şahin und Özlem Türeci gegründet wurde. In wenigen Monaten entwickelte das Unternehmen zusammen mit Pfizer einen COVID-19-mRNA-Impfstoff, der am 21. Dezember 2020 die bedingte Zulassung der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) erhielt – die Grundlage für den Impfstart in Deutschland wenige Tage später.
Der Impfstoff basiert auf Boten-Ribonukleinsäure (mRNA) und ist in der Lage, die körpereigene Immunantwort zu stimulieren. Hierbei wird der Bauplan für das Spike-Protein, das sich auf der Oberfläche des Corona-Virus befindet, in die Muskelzellen transportiert. Diese wiederum fangen an, für einen gewissen Zeitraum das Virusprotein zu produzieren. Das Immunsystem reagiert darauf, indem es Antikörper bildet. T-Zellen, eine spezielle Klasse von Immunzellen, unterstützen das Immunsystem beim Bekämpfen intrazellulärer Infektionen.
Wie funktioniert die Immunantwort des mRNA-Impfstoffs?
Durch die Konfrontation mit kleinen, unschädlichen Fragmenten des COVID-19-Virus „lernen" die Immunzellen, wie sie den echten Erreger erkennen und angreifen können. Dadurch wird dessen Ausbreitung im Körper und damit auch die Übertragung auf andere Personen verhindert.
Der entscheidende Unterschied zu herkömmlichen Impfstoffen liegt in den fehlenden viralen Proteinen: Der mRNA-Impfstoff enthält nur eine Art „Bauanleitung“, also die Informationen, die die eigenen Zellen benötigen, um eine Immunantwort auszulösen.
Welche Auszeichnungen erhielten die Forschenden hinter dem Impfstoff?
2023 erhielten die Biochemikerin Katalin Karikó und der Immunologe Drew Weissman den Nobelpreis für Physiologie oder Medizin. Die beiden entdeckten bereits 2005 während ihrer Forschungszeit an der University of Pennsylvania eine Methode, mit der sich die Erkennung von künstlich hergestellter mRNA durch die körpereigene Immunabwehr verhindern lässt. Ohne diese Grundlagenarbeit wäre die schnelle Entwicklung wirksamer Corona-Impfstoffe kaum möglich gewesen. Von 2013 bis 2022 war Karikó als Forscherin und Vizepräsidentin bei Biontech tätig.
Auch die Biontech-Gründer Uğur Şahin und Özlem Türeci wurden für ihre Arbeit geehrt: 2021 verlieh Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier dem Forscherehepaar das Große Verdienstkreuz mit Stern, die höchste Stufe des Bundesverdienstkreuzes.
Wie weit ist die mRNA-Technologie heute?
Nach der Pandemie richtete Biontech den Fokus wieder verstärkt auf die Onkologie. Ende August 2026 brach das Unternehmen eine Phase-II-Studie zum individualisierten mRNA-Krebsimpfstoff Autogene Cevumeran bei Darmkrebs-Patienten vorzeitig ab, nachdem ein unabhängiges Kontrollgremium keinen ausreichenden Wirksamkeitsnachweis mehr erwartete. Eine zweite Studie mit demselben Wirkstoff gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs läuft dagegen wie geplant weiter. Das zeigt, wie schwierig personalisierte mRNA-Krebstherapien in der klinischen Praxis bleiben, trotz des Potenzials, das die Technologie in den vergangenen Jahren gezeigt hat.
(Headerbild: Feydzhet Shabanov – AdobeStock.com)




